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Wertschätzung und Motivation der Mitarbeiter – eine schwierige Aufgabe

Wertschätzung und Motivation der Mitarbeiter – eine schwierige Aufgabe

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Nur zufriedene Mitarbeiter sind wirklich gute Mitarbeiter – diese Weisheit spielt für immer mehr Firmen eine wichtige Rolle. Überall steigen mittlerweile Firmenpartys, dürfen sich Angestellte von hohen Gebäuden auf Firmenkosten mittels eines Bungeeseils in die Tiefe stürzen oder bei einer Flugsimulation die Schwerelosigkeit des Weltraums erleben. Immer mehr Firmen versuchen mit immer neuen Ideen ihren Mitarbeitern eine Freude zu machen, um sie an sich zu binden und bei Laune zu halten.

Die Idee die Mitarbeiter zu bespaßen, ist nicht neu, aber sie hat nicht immer den gewünschten Effekt. In den Augen vieler Kritiker handelt es sich mehr um eine Art süße Schicht aus Zucker, die die eigentlichen Probleme verdeckt, denn wenn es in einem Unternehmen Probleme gibt, dann lassen sich diese eher selten mit Bungeesprüngen und lustigen Partys lösen.

Steigende Erwartungen seitens der Angestellten

Es war der Computerriese IBM, der schon Ende der 1950er Jahren auf den Gedanken kam, seinen Mitarbeitern etwas Besonderes zu bieten. Bis heute haben viele Unternehmen die Idee von IBM übernommen und lassen sich immer neue Dinge einfallen, um ihren Mitarbeitern etwas zu bieten. Offiziell heißen diese Aktionen „Mitarbeiterbindungsmaßnahmen“ und sie kosten nicht selten sehr viel Geld. So kostet die Simulation der Schwerelosigkeit fast 10.000 Euro pro Person, und man kann sich leicht vorstellen, dass ein Unternehmen nicht so viel Geld ausgibt, um den Mitarbeitern eine Freude zu machen. Die Idee, die dahinter steht, ist eine andere.

Arbeit vs. Unterhaltung

Es soll vielmehr eine Art emotionale Bindung zwischen Unternehmen und Angestellten aufgebaut werden. Mitarbeiter, denen ein solch tolles Erlebnis geboten wird, zeigen sich dankbar und leisten noch mehr für ihren Arbeitgeber. So weit die Theorie, in der täglichen Praxis sieht das allerdings ganz anders aus. Es gibt keine gesicherten Aufzeichnungen oder Statistiken darüber, ob ein Mitarbeiter, der eine lustige Party gefeiert hat, motiviert ist und mehr leistet. Dazu kommt, dass sich Mitarbeiter sehr schnell an die abwechslungsreichen Firmenevents gewöhnen und die Erwartungen immer höhergeschraubt werden. Kann der Arbeitgeber nicht mehr den gewohnten Kick leisten, dann sinkt die Laune rapide ab, und das macht sich auch bei der Arbeit bemerkbar.

Ungerechte Verteilung – Führungskräfte profitieren häufiger

Die Wertschätzungsmaßnahmen der großen Unternehmen richten sich häufig nur an die jungen Leistungsträger und zukünftigen Führungskräfte, die frisch von den Eliteuniversitäten kommen. Das schürt den Neid, denn nicht alle Mitarbeiter kommen in den Genuss von spektakulären Events. Neid führt dann zu Rivalität und schließlich zu Unzufriedenheit in den unteren Etagen und die Mitarbeiter, die statt einem Nervenkitzel nur eine bescheidene Weihnachtsfeier geboten bekommen, reagieren entsprechend und leisten nur noch das, was sie wirklich müssen, aber nichts darüber hinaus.

In der Folge müssen diejenigen, die durch die Bespaßung bei Laune gehalten werden, die Arbeit derjenigen miterledigen, die weniger bevorzugt werden und die Unternehmen sind in einer Art Teufelskreis gefangen. Fragen und Benchmarks für Mitarbeiterbefragungen sind hier eine gute Lösung, denn Unternehmen, die ihre Mitarbeiter befragen, erfahren auf diese Weise was ihnen gefällt und was nicht.

Sicher sind zufriedene Mitarbeiter die besseren Mitarbeiter, aber Unternehmen sollten nicht den Fehler machen, nur einen kleinen elitären Kreis bei Laune zu halten, sondern allen Mitarbeitern einen Arbeitsplatz zum Wohlfühlen anbieten.